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Entlassungsfeier

Abi 2013: Ein preiswürdiger Jahrgang

Super-Durchschnitt – 19 Abiturienten besser als 2,0 – Denkwürdige Abschiedsworte

70 Abiturienten waren es im zweiten "G8"-Jahrgang, die am Freitag nach zwölf Jahren – manche vielleicht auch mehr – das Roswitha-Gymnasium verließen. Das ließ dann auch wieder zu, die Abschlussfeier wie früher üblich im Forum des Gymnasiums abzuhalten.

Direktor Hans-Joachim Baade hatte diesmal bei der Begrüßung das Vergnügen, neben den Bürgermeistern der Stadt Bad Gandersheim und der Gemeinde Kalefeld, Heinz-Gerhard Ehmen und Edgar Martin, auch die stellvertretenden BürgermeisterInnen aus der Stadt Einbeck und der Gemeinde Lamspringe, Beatrix Tappe-Rostalski und Henning Bethel, willkommen zu heißen. Einbeck ist über die Schüler der fusionierten Gemeinde Kreiensen im Gymnasium vertreten. Und aus Lamspringe und Umland kommen schon lange Schüler nach Bad Gandersheim.

Beim Eintritt ins Gymnasium hatte Baade den Schülern versprochen, sie seien in dieser Schule gut aufgehoben. Zum Erfolg hätten sie aber ihren Teil beizutragen, um sich nach acht Jahren wieder im Forum zu treffen – zur Ausgabe des Abiturzeugnisses. In fast allen Fällen habe das offensichtlich geklappt.

Der Abiturjahrgang hat einen Durchschnitt von 2,45 erreicht, 19 Abiturienten sogar schafften eine eins vor dem Komma. Baade konnte sich nicht erinnern, je zuvor ein so gutes Ergebnis bei der Schulentlassung genannt zu haben. Der Landesschnitt liege recht konstant bei 2,7. Vor Jahren lag das Roswitha-Gymnasium mit Schnitt 2,73 im Mittelfeld einer Landesstatistik. Dieser Abiturjahrgang hätte damals Platz elf unter 200 aufgeführten Gymnasien erreicht. Auf diese Leistung dürften die Abiturienten durchaus stolz sein.

Schule sei aber mehr als die reine Leistung. Persönliche, soziale und andere Kompetenzen gehören auch zum Gesamtbild. Die Abiturienten seien in vielen Bereichen selbst bereits auf einem guten Weg, die Lehrer hätte sie oft nur bestärken müssen. Als ein Beispiel nannte Baade die überaus gelungene und in großer Selbständigkeit erstellte Theateraufführung, deren großer Erlös zudem einem Kinderhaus in Uganda gestiftet wurde.
In Erinnerung an sein eigenes Abitur gab Baade dem Jahrgang als Motto mit auf den Weg: "Lieben Sie das Leben, nicht im Sinne eines maßlosen Konsumierens, sondern einer lebensbejahenden Einstellung".

Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen ermunterte in seinem Grußwort die Abiturienten, künftig nicht nur am eigenen Wohl zu arbeiten, sondern sich als Teil des Gemeinwesens zu verstehen, es mitzugestalten, sich einzumischen und die Gesellschaft mit zu entwickeln. Die Voraussetzungen, alle Probleme zu lösen, hätte dieser Jahrgang ohne Zweifel nach den vorgelegten Leistungen.

Schulelternratsvorsitzende Martina Katzenstein-Schmidt bezeichnete die Schule als schützenden Raum, in dem den Schülern Gelegenheit gegeben wurde, sich zu entwickeln. Eltern und Lehrern gebühre der Dank für die Ausgestaltung dieses Entwicklungsraumes.
Als Sprecherin der Schüler gestand Friedrike Dielzer, dass sie es sich als noch nicht Betroffene noch nicht recht vorstellen könne, wie es sich anfühle, das Abitur erreicht zu haben. Aber das wüssten die Abiturienten ja nun selbst am besten. Sie schloss sich den guten Wünschen der vorherigen Redner für die Zukunft des Abgangsjahrganges an.

Oberstufenkoordinator Michael Kwasniok machte in seiner intellektuell anspruchsvollen Rede die Gäste der Feierstunde mit Antonio und Bassanio aus Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" bekannt. Die wurden in der Folge von Yasemin Yilmaz und Julia Peschek in lupenreinem Englisch auf der Bühne in einem minutenlangen Dialog näher gebracht. Michael Kwasniok erläuterte nach diesem Ausschnitt den Hintergrund der Szene und den Zusammenhang mit dem Abiturjahrgang.

Es geht um Entscheidungen, auch sehr riskante. Aber auch um menschliche Beziehungen und Geld. Im Mittelpunkt das Thema Freundschaft. Das werde auch für die Abiturienten immer ein wichtiges bleiben. In einer Zeit grenzenloser Mobilität, gefühlt ständiger Unsicherheit wäre es schön, die Freundschaften aus der Schulzeit hinüberzuretten in die Zukunft. Ein guter Freund sei das Beste, was einem im Leben passieren könne. Ein Sicherheitsnetz, das einen jederzeit aufzufangen vermöge. Und damit entscheidenden Einfluss auch für Erfolg und Zufriedenheit habe. Aber Freundschaft müsse man sich auch verdienen, sie pflegen und erhalten, machte Kwasniok an den Grundpfeilern deutlich.
Als Sprecher des Abiturientenjahrgangs setzte sich Jakob Manzeck mit dem Motto "Wurzeln und Flügel" auseinander. Die Wurzeln sind die Familien, die Lehrer, aber auch die Freunde und guten Mitschüler. Das Gefühl, das alles so war wie immer. Nun kommt alles anders: Hinaus ins nur leicht angewärmte Wasser. Dazu braucht es die Flügel – um Überblick zu gewinnen, um sich zu lösen aus dem Trott ins gleichmäßige Schwingen, den eigenen Rhythmus findend. Flügel stehen auch für Eigeninitiative. Die Kunst sei, beides in perfekten Einklang zu bringen, die Wurzeln und die Flügel.

Nach der Zeugnisausgabe wurden wie gewohnt eine Reihe von Preise verliehen. An vorderster Stelle der Lerche-Preis für das beste Abitur. In diesem Jahr konnte die Tradition der Übergabe durch einen früheren Preisträger durch die Anwesenheit von Dr. Jürgen Grützmacher fortgesetzt werden, der sein Abitur am Gymnasium im Jahre 1958 ablegte. Preisträger des Jahres 2013 wurde Janosch Jendraszek. Er nahm Gelegenheit, den Lehrern zu danken, die sich vollends für alle Schüler eingesetzt haben, und gab anderen Anstoß, darüber nachzudenken, wenn dies nicht so geschehen sei. Die Auszeichnung sehe er selbst als "Mannschaftspreis", da sie nicht ohne das Zutun vieler guter Begleiter erreichbar gewesen wäre.
Als Vorsitzender der Vereinigung der Ehemaligen, Eltern und Freunde des Gymnasiums warb Ralf Jungesblut gleich bei den Abgängern darum, der Schule durch den Beitritt freundschaftlich verbunden zu bleiben. Zudem zeichnet die Vereinigung Abiturienten mit einem Schnitt von 2,0 und besser mit Buchpreisen aus. In diesem Jahr war dies mit 18 Schülern eine unerwartet große Zahl. Im Einzelnen: Anna-Marie Ulrich, Friederike Durlach, Marleen Grösche, Christoph Rene Bruns, Philipp Otto, Gianni Lidolt, Nadine Trödel, Tessa Harries, Joshua Weichenhain, Jessica Oberbeck, Julia Peschek, Antonia Jaeger, Julian Frangopoulus, Sascha Niemetz, Yasmin Stefke, Tabea Quentin, Swantje Fischer und Niklas Klügel.

Julian Frangopoulos erhielt zusätzlich den Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Englisch-Preise gingen an Yasmin Stefke, Nadine Trödel und Anna-Marie Ulrich. Den Preis der Gesellschaft deutscher Chemiker erhielt Joshua Weichenhain, und den Preise der Deutschen Mathematiker-Vereinigung Philipp Otto.

(Der Bericht wurde uns freundlicherweise vom Gandersheimer Kreisblatt zur Verfügung gestellt)

Namensliste

Abiturienten 2013

Adam, Alena ( Einbeck-Orxhausen )
Adchayan, Kim Ajna ( Bad Gandersheim )
Allmer, Sophie ( Einbeck-Ippensen )
Bertram, Insa Marie ( Bad Gandersheim-Wrescherode )
Boekhoven, Sina ( Bad Gandersheim-Wrescherode )
Bohnsack, Annalena ( Neuhof-Ammenhausen )
Bruns, Christoph-René ( Einbeck-Kreiensen )
Dörries, Jens ( Einbeck-Kreiensen )
Durlach, Friederike ( Einbeck-Kreiensen )
Fischer, Swantje ( Einbeck-Kreiensen )
Frangopoulos, Julian ( Bad Gandersheim )
Frenzel, Hendrik ( Landwehr-Ohlenrode )
Grabowski, Alina ( Bad Gandersheim )
Griegel, Marek ( Lamspringe )
Grösche, Marleen ( Einbeck-Sievershausen )
Hake, Kerstin ( Einbeck-Sievershausen )
Harding, Nina ( Bad Gandersheim-Heckenbeck )
Harries, Tessa ( Einbeck-Billerbeck )
Hirschfeld, Alina ( Seesen-Bilderlahe )
Jaeger, Antonia ( Bad Gandersheim )
Jendraszek, Janosch ( Bad Gandersheim )
Kerl, Oliver ( Einbeck-Kreiensen )
Kirchner, Laura-Theresia ( Lamspringe )
Klügel, Niklas ( Kalefeld-Düderode )
Koch, Tobias ( Landwehr-Wetteborn )
Koch, Yannik ( Lamspringe )
Közen, Nesibe ( Bad Gandersheim )
Kremer, Maryna ( Bad Gandersheim )
Krüger, Eileen ( Bad Gandersheim )
Laake, Dennis ( Lamspringe )
Lidolt, Gianni ( Lamspringe )
Macke, Dina ( Bad Gandersheim-Harriehausen )
Manzeck, Jakob ( Bad Gandersheim-Hachenhausen )
März, Tizian ( Woltershausen )
Menge, Kenneth ( Bad Gandersheim-Ellierode )
Mole, Rebecca ( Bad Gandersheim )
Müller, Sven ( Lamspringe )
Niemetz, Sascha ( Bad Gandersheim )
Oberbeck, Jessica ( Lamspringe-Neuhof )
Otto, Philipp ( Bad Gandersheim )
Papendick, Marvin ( Einbeck-Opperhausen )
Peschek, Julia ( Bad Gandersheim )
Pfeiffer, Stefan ( Einbeck-Kreiensen )
Quentin, Tabea ( Bad Gandersheim )
Raasch, Ruven ( Bad Gandersheim )
Rabe, Christian ( Einbeck-Rittierode )
Randow, Aileen ( Kalefeld-Echte )
Reiner, Adam ( Bad Gandersheim-Gremsheim )
Rohde, Charlotte ( Einbeck-Bruchhof )
Rohde, Johannes ( Einbeck-Bruchhof )
Rostalski, Marius Benedikt ( Einbeck-Opperhausen )
Schelm, Marie ( Einbeck-Greene )
Schermuly, Zacharias ( Bad Gandersheim )
Schiller, Dustin ( Kalefeld-Sebexen )
Schommer, Kjell Eric ( Lamspringe )
Schrader, David Rouven ( Einbeck-Kreiensen )
Schünemann, Dennis ( Einbeck-Kreiensen )
Simmert, Alissa ( Einbeck-Greene )
Sroka, Jakob ( Kalefeld-Oldenrode )
Stefke, Yasmin ( Bad Gandersheim )
Stein, Lennart ( Kalefeld-Westerhof )
Steinhoff, Mario ( Bad Gandersheim )
Stober, Darlene ( Einbeck-Kreiensen )
Stockhusen, Jan-Gideon ( Kalefeld-Westerhof )
Trödel, Nadine ( Bad Gandersheim-Clus )
Ulrich, Anna Marie ( Lamspringe )
Weichenhain, Joshua ( Lamspringe-Neuhof )
Wels, Anika ( Bad Gandersheim-Altgandersheim )
Wolters, Justus ( Bad Gandersheim-Wrescherode )
Yilmaz, Yasemin ( Lamspringe )

Insgesamt sind es 70 Abiturientinnen und Abiturienten

Davon 34 Damen und 36 Herren

Berüßung Direktor Baade

Begrüßung Abiturentlassung 2013

(Oberstudiendirektor Hans-Joachim Baade)

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten des Jahres 2013,
ich begrüße Sie, Ihre Eltern und Ihre weiteren Angehörigen ganz herzlich zu Ihrer Entlassungsfeier.

Ebenfalls begrüßen möchte ich unsere Gäste. Ihnen danke ich gleichzeitig für Ihr Kommen. Unterstreichen Sie doch damit die hohe Bedeutung, die das Abitur an einem allgemeinbildenden Gymnasium hat.

Namentlich erwähnen möchte ich
den Bürgermeister der Stadt Bad Gandersheim, Herrn Ehmen,
Kalefelds Bürgermeister, Herrn Martin,
Einbecks stellvertretende Bürgermeisterin, Frau Tappe-Rostalski,
den 2. stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Lamspringe, Herrn Bethel,
Frau Pröbstin Knotte und Herrn Manzek als Vertreter der Kirchen. Herr Manzek ist auch als Vater hier. An dieser Stelle vielen Dank an Pfarrer Manzek und Pfarrer Ehgart für den gestrigen ökumenischen Abi-Gottesdienst, den wir erstmals gefeiert haben und der überzeugend gelungen ist.

Weiter begrüße ich den Leiter der Grundschule Bad Gandersheim, Herrn Steinhoff,
den Vorsitzenden des Vereins der Eltern, Ehemaligen und Freunde des Roswitha-Gymnasiums, Herrn Jungesblut,
unsere Elterratsvorsitzende, Frau Katzenstein-Schmidt,
die stellvertretende Bürgermeisterin Bad Gandersheims, Frau Albig,
unsere ehemalige Kollegin und aktuelle Comenius-Mitarbeitein Frau Sälzer
sowie die Vertreter der Presse.

Des weiteren begrüße ich unsere Eltern- und Schülervertreter,
unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere Kolleginnen und Kollegen einschließlich der Ehemaligen nicht nur unserer, sondern auch benachbarter Schulen.

Last but not least heiße ich Herrn Dr. Grützmacher herzlich willkommen. Dr. Grützmacher ist Abiturient dieser Schule aus dem Jahr 1958 und wurde damals mit dem Lerchepreis ausgezeichnet.

Doch nun wieder zu Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten! 2005, vor acht Jahren, habe ich Sie oder zumindest die meisten von Ihnen hier zu Ihrem ersten Schultag am Roswitha-Gymnasium begrüßt. Wissen Sie noch, was ich Ihnen damals gesagt habe? ... Nun, es hätte mich gewundert, wenn Sie jetzt mit ja geantwortet hätten. Ich selbst wüsste es auch nicht mehr, aber ich hatte es seinerzeit aufgeschrieben.

Ich hatte Ihnen versichert, dass Sie hier gut aufgenommen würden und gleichzeitig gefordert, Sie müssten Ihren Teil dazu beitragen. Sie sollten sich an die Regeln der Schule halten, Arbeitsbereitschaft zeigen, sich am Unterricht beteiligen und sich bei zusätzlichen Aufgaben engagieren. So wie das Eisen heiß glühend sein muss, damit der Schmied es bearbeiten kann, sollten Sie heiß darauf sein, etwas zu lernen, damit wir, Ihre Lehrer, Ihnen etwas beibringen könnten. Wenn Sie so Ihren Teil beitrügen, würden wir uns nach acht Jahren wieder im Forum treffen und ich Ihnen die Abiturzeugnisse überreichen. Tatsächlich sind wir deswegen jetzt hier.

Haben Sie in den vergangenen acht Jahren tatsächlich Ihren Teil beigetragen? Selbstverständlich! Ohne Arbeits- und Lernbereitschaft – bei dem einen mehr, bei dem anderen vielleicht weniger - kann man kein Abitur erlangen. Ihre Ergebnisse sprechen für sich. Ein Durchschnitt von 2,45, 19 mal eine Eins vor dem Komma, kein Ergebnis schlechter als 3,4, d.h. keine Vier unter Ihren Durchschnittsnoten – ich kann mich nicht erinnern, hier jemals schon ein derartig gutes Ergebnis genannt zu haben. Der langjährige niedersachsenweite Schnitt für die annähernd 200 öffentlichen allgemeinbildenden Gymnasien liegt ziemlich konstant bei etwa 2,7. Vor einigen Jahren hat das Kultusministerium zum ersten und einzigen Mal eine Rangliste der einzelnen Schulen veröffentlicht. Das Roswitha-Gymnasium lag damals mit 2,73 irgendwo im Mittelfeld. Sie hätten mit 2,45 Platz 11 erreicht.

Der Durchschnitt an den Gesamtschulen war seinerzeit übrigens etwas und der an den Berufsbildenden Schulen deutlich schwächer als an den Gymnasien. (letzterer 2,94)

Soviel zu Ihren Lernleistungen. Schule beinhaltet jedoch mehr als Wissensvermittlung und Lernen. In unserem Leitbild haben neben den Säulen Fachkompetenz und Methodenkompetenz auch die Säulen persönliche Kompetenz und Sozialkompetenz eine tragende Rolle. Das wird in Christan Morgensterns Worten, die ich 2005 bei Ihrer Begrüßung zitiert habe, mit erfasst: „Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung beruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen. Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwas abbringen, der nicht schon geneigt ist, sich ihm zu entfremden."

Sie waren und sind in vielen Bereichen mehr als dunkel auf einem positiven Weg. Wir Lehrer brauchten Sie oft nur zu bestärken. Mit einem kleinen Impuls konnten wir Sie dazu bringen, sich zu engagieren, sich für andere oder für die Gemeinschaft einzusetzen. In meinem Grußwort für Ihre Abi-Zeitung habe ich einige Beispiele genannt. Hier möchte ich nochmals die Theateraufführung des Stückes „Andorra" von 2010 hervorheben. Daran war seinerzeit die ganze 9a beteiligt. Mit einem hohen Maß an Selbstständigkeit haben Sie das Projekt vorbereitet und durchgeführt. Die nicht unerheblichen Einnahmen haben Sie einem Kinderhaus in Uganda gespendet.

Natürlich mussten wir Sie manchmal auch von etwas abbringen, sprich Regelverstöße oder allgemeines Fehlverhalten unterbinden. Bei Schülern gehört das dazu. In Ihrem Jahrgang war das jedoch auffallend selten erforderlich und meist nicht allzu schwierig. Sie waren eben schon geneigt, sich Ihrem Fehlverhalten zu entfremden. Es versteht sich von selbst, dass ich in diesem Punkt auf Beispiele lieber verzichte.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, es waren mit Ihnen äußerst angenehme acht Jahre. Dafür danke ich Ihnen. Sie haben Ihr Abitur, Ihre Reifeprüfung verdient bestanden. Dazu gratuliere ich Ihnen und Ihren Eltern, ohne die das gar nicht möglich gewesen wäre. Ihren Lehrkräften gilt für den – trotz des eben Gesagten – sicher nicht ganz unerheblichen Anteil unser Dank.

Es ist nicht so einfach, einem Jahrgang wie dem Ihren einen Rat, einen Wunsch mit auf den Weg in das Leben nach der Schule zu geben. Deswegen erinnere ich mich an mein eigenes Abitur und an den Wunsch den mir meine Eltern mitgaben und den ich an Sie weitergeben möchte. Lieben Sie das Leben! Lieben Sie das Leben nicht im Sinne eines maßlosen Konsumierens, Genießens oder ständiger Partys, sondern im Sinne einer lebensbejahenden Einstellung. Zwar gehören in unserer Gesellschaft auch Konsum, Genuss und Partys dazu, aber möge es Ihnen gelingen, darüber hinaus auch Ihre Arbeit, die täglichen Mühen, soziales Engagement und die kleinen Dinge des Lebens zu lieben. Dann werden sich ziemlich sicher Glück, Zufriedenheit und Erfolg einstellen und Sie werden Ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Dazu wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes Segen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Abiturrede der Lehrerschaft

Rede zur Abiturentlassungsfeier am 18.06.2013 am Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim

Für das Lehrerkollegium von Michael Kwasniok (Studiendirektor)

Kennen Sie Antonio?

Nun, ich bemerke, dass das wohl ganz überwiegend nicht der Fall ist, und so mancher von Ihnen schmunzelt vielleicht ein wenig und fragt sich, worauf der Herr Kwasniok denn nun wieder hinaus will... . Und dennoch habe ich soeben so manches Augenflackern, ja Grinsen unter denjenigen Abiturientinnen und Abiturienten wahrgenommen, die Antonio englisch aussprechen dürften: nämlich Antonio.

Ich möchte Sie alle mit Antonio bekannt machen, und ebenso mit Bassanio, seinem sehr viel jüngeren Freund. Die intensive Beziehung dieser Freunde bildet den Ausgangspunkt für weitreichendste Verwicklungen. Es handelt sich um Charakterschöpfungen William Shakespeares, die in seinem Werk „The Merchant of Venice", zu deutsch Der Kaufmann von Venedig, lebendig geworden sind. Wie lebendig sie noch heute in persona von Yasemin Yilmaz und Julia Peschek sind, sehen Sie selbst:

Auf der Bühne gespielter Dialog zwischen Antonio (Yasemin Yilmaz) und Bassanio (Julia Peschek): Akt 1, Szene 1, Zeilen 118 bis 184.

Vielen Dank, lieber Antonio, nein, liebe Yasemin, und lieber Bassanio, Entschuldigung, liebe Julia, für diese makellose Darbietung. Ich darf im übrigen anmerken, dass dies nicht die einzige war, die von beiden im Laufe des dritten Semesters des Englisch-Leistungskurses in gleich hoher Qualität vorgetragen wurde.

Sie erlauben mir, zusammenzufassen, was der Stand der Dinge ist: Bassanio steht, wie man heute sagen würde, bereits jetzt tief bei Antonio in der Kreide, und das ist ihm sehr wohl bewusst. Sein Verlangen gilt einer jungen, schönen, reichen und, wie man es wohl damals formulieren würde, heiratswilligen Frau namens Portia. Doch braucht er viel Geld, um ihr den Hof machen zu dürfen – sozusagen die Eintrittskarte zu seinem möglichen Eheglück. Antonio, selbst nicht liquide und damit faktisch zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Besitz des Geldes, entscheidet sich dennoch dafür, Antonio sein Unterfangen um jeden erdenklichen Preis zu ermöglichen und gibt ihm zu verstehen, dass Bassanio in seinem Namen jeden maximalen Kreditrahmen ausreizen darf, um das nötige Geld zu beschaffen - koste es, was es wolle:

"Within the eye of honour, be assured

My purse, my person, my extremest means

Lie all unlocked to your occasions."

(William Shakespeare: The Merchant of Venice, Act 1, Scene 2), das waren seine genauen Worte, die hier so authentisch von Yasemin vorgetragen wurden und an die ich hier noch einmal gezielt erinnern möchte. Antonio bietet Bassanio jedes persönliche Opfer. Selbst sein Leben ist in diesem Angebot mit enthalten, denn Antonio wird den Kredit für Bassanio nur dadurch erhalten, dass er seinem dann doch noch gefundenen Geldgeber, sein Name ist Shylock, zubilligt, ihm im Falle der nicht termingerechten Rückzahlung ein „Pfund Fleisch" aus dem Teil seines Körpers herauszuschneiden, der diesem beliebt.

Was dieser Blankoscheck für seinen Unterzeichner letztendlich bedeutet, das verrate ich Ihnen im Verlauf dieser Rede - versprochen. Drei Fragen drängen sich auf: Warum geht Antonio ein lebensbedrohliches Risiko ein? Wie ist seine Handlung zu bewerten? Welche Relevanz hat die Bewertung seiner Entscheidung für Euch, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, für das vor Euch liegende Leben, das Ihr selbst gestalten dürft?

Antonio geht das Risiko ein, weil er Bassanio nicht verlieren will. Was er schätzt, ist die Vitalität und die unbändige jugendliche Kraft seines Freundes. Indem er mit ihm zusammen ist, bleibt er gefühlt selbst jung und begehrt, spürt er das Leben. Obgleich Antonio weiss, dass Bassanio auch freundschaftlich für ihn fühlt, beschleicht ihn die Angst, dass es in Wahrheit nur sein Geld sein könnte, dass diese Freundschaft trägt und dass die Freundschaft endet, wenn der Geldfluss versiegt. Antonio will sich um jeden Preis in Kopf und Herz Bassanios verewigen, auch über seinen eigenen Tod hinaus. Deshalb riskiert er selbigen.

Die Bereitschaft, im Angesicht existentieller Not sein Leben einzusetzen für einen geliebten Menschen, um diesen zu retten, ist Ausdruck höchster Ethik und Moral; die Liebe zwischen Mutter und Kind, Vater und Kind verdeutlicht diese Einzigartigkeit.

Auf Antonio trifft das indes nicht zu: Sein „Angebot" ist weniger altruistisch als egoistisch. Es entspringt seiner Einsicht darin, dass er Bassanios Begehren nach Portia nicht zu unterbinden vermag. Was Antonio seinem jungen Freund bietet, verfestigt seine Abhängigkeit von ihm. Der unbegrenzte Kredit „auf Pump", wie man heute sagen würde, korrumpiert den, der das Geld nimmt. Das Prinzip „lebe heute, zahle später" ist auf Sand gebaut. Die Ermutigung, unkalkulierbare Risiken einzugehen, um ein vages Ziel zu erreichen, kann die Existenz gefährden.

Yasemin und Julia wissen um die Vielschichtigkeit der beiden Figuren. Sie kennen auch eine mildere Interpretation der literarischen Forschung, die Antonios Handeln tatsächlich auf echter tiefer Freundschaft, ja Liebe für Antonio gegründet sieht. Sie haben gehadert mit ihren Figuren und sie haben sich von ihren fragwürdigen Seiten abgegrenzt. Doch dadurch, dass sie sie gespielt haben, haben sie Freundschaft selbst neu gedacht und gelebt.

Ich sage: Das Thema Freundschaft ist ein „Mega-Thema" Eurer Zukunft, liebe Abiturientinnen und Abiturienten. Es ist ein „Mega-Thema", weil nur gewachsene Freundschaften Stabilität garantieren und Verlässlichkeit – in Zeiten der (zumindest gefühlten) permanenten Instabilität. Eine echte Freundschaft trotzt dem (gefühlten oder echten), doch zumindest ohne Unterlass und fast predigthaft vorgetragenen Ruf nach schrankenloser Mobilität, nach Daueraufbruch. Sie stellt sich damit der Entwurzelung entgegen, mahnt an, die guten Freundschaften aus der Schulzeit hinüberzuretten in das Neue, in die Universität oder das Unternehmen, in eine andere Stadt oder ins englischsprachige Ausland, das Alte und das Neue zu verbinden. Eine echte Freundschaft bedeutet, sich fallenlassen zu können, nicht taktieren zu müssen in Wortwahl und Gedanke, weil echte Freunde wissen, dass die Privatheit des Gespräches immer geschützt bleiben wird. Eine echte Freundschaft bedeutet, nie allein zu sein, Rückhalt zu spüren bei Problemen, die alleine übermächtig erscheinen können; zu verzeihen, denn wir alle machen Fehler,vielleicht auch schlimme Fehler. Sie bedeutet Rückbesinnung „auf die alten Zeiten", etwa die Schule, auf Erlebnisse mit Mitschülern, Eltern und Lehrern. So werden tiefe Eindrücke der Schulzeit immer wieder verarbeitet und auf das neue Leben bezogen, miteinander verknüpft, neu bewertet. Wenn diese Bewertung bei einem gemütlichen Miteinander nach getaner Studienarbeit in einer Studentenkneipe stattfindet, dann ist das wunderbar; Sie glauben nicht, wie ich es heute noch genieße, einen meiner besten Freunde zu treffen, um – unter anderem - über unseren Geschichts-Leistungskurs zu sprechen, zu lachen, Situationskomiken nachzufühlen oder auch eine fantastische Lehrerinnenleistung zu würdigen. Ein guter Freund hat den Mut, seinem Gegenüber den Spiegel vorzuhalten. Er akzeptiert die Freundin wie sie ist, aber redet Klartext: ungeschönt, ungeschminkt, und das zu ihrem Wohle, weil er das Beste für sie will; ganz ohne eigene Hintergedanken. Ein guter Freund ist loyal, das heisst er springt bei bei Konflikten. Die Erfahrung der Loyalität ist warm und weich; der Mensch braucht sie; in allen Lebensphasen. Eine Freundschaft entspringt zudem einer gemeinsamen Erfahrung an einem Ort. Sie bildet so die Rückbindung zu dieser Heimat, die man vielleicht verlassen muss oder will. Sie fördert mittelfristig den Wunsch, zu ihr zurückzukehren, weil man feststellt, wie schön es ist, Wurzeln zu haben. All dies braucht man, um die Herausforderungen im vollen Hörsaal bestehen zu können, damit zurechtzukommen, dass im Studium häufig zeitliche Zweckbündnisse für schnell zusammenzuschreibende Referate die vorherrschende Sozialform sind; das im Beruf häufig jeder mit sich selbst beschäftigt ist, Zeitdruck hat und Termine. Wenn Euer privater und beruflicher Erfolg, liebe Absolventen dieses Jahrgangs, gelingen soll, dann ist Freundschaft das besagte „Mega-Thema", ein Sicherheitsnetz, auf das ihr jederzeit fallen dürft und das Euch aufzufangen vermag. Und im Umkehrschluss wird es diese Sicherheit, diese Ehrlichkeit und dieses Bewusstsein um die Bedeutung von Freundschaft sein, die Erfolg und Zufriedenheit entscheidend beeinflussen wird!

Die Bedeutung der Entscheidung Antonios liegt für Euch darin, erkennen zu können, dass Freundschaft mit der Fähigkeit der Vernunft einhergeht und der Forderung nach dem rechten Maas. Unter dem Deckmantel der Freundschaft darf nichts angeboten, nichts suggeriert werden, was nicht eingehalten werden kann oder darf. Ganz konkret (und das ist heute brennend aktuell!) gilt es, sich des Risikos der Überschuldung früh bewusst zu werden und nur mit dem zu kalkulieren, was man hat oder was sicher zurückzuzahlen ist. Die Forderung, zwischen richtig und falsch, moralisch und unmoralisch zu unterscheiden, besteht auch in einer Freundschaft an jeden der beiden Freunde, die ja individuelle Charaktere bleiben. Das Glück des Einen darf dabei niemals an das des Anderen gekoppelt werden. Die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen bleibt bei jedem Menschen selbst. Und dennoch ist es die Bindung der Freundschaft, die hilft, die eigenen Entscheidungen treffen und vertreten zu können.

So manche Freundschaft hat sich gefunden in diesem Jahrgang. Ihr habt Bindungen anders verwoben, neu geknüpft. Manche Freundschaft aus dem ehemaligen 10. Jahrgang hat sich vertieft. Im Leistungskurs Englisch durfte ich beobachten, wie sehr Ihr Euch in den zurückliegenden zwei Jahren entwickelt habt. Die Forderung nach Leistung und intellektueller Entwicklung ist einhergegangen mit neuen Zweierfreundschaften. Und ausserhalb dieses wunderbaren Kurses ist mir so Manches auf dem Schulhof aufgefallen: Paare, die sich blendend zu verstehen scheinen...

Wo ich nun schon einmal bin, bei Mann und Frau: Antonio hat überlebt! Er hat das Stück Fleisch von seinem Herzen behalten dürfen; indes es war verdammt knapp. Er war bereits festgeschnallt am Richtstuhl und Shylock „wetzte seine Messer", wie es in der Regieanweisung heisst. Er hat überlebt, weil er in letzter Sekunde gerettet wurde. Sie wollen wissen von wem? Nein, das verrate ich nicht. Na gut, doch: von Portia, der von Bassanio angebeteten Frau. Sie war es, die in letzter Sekunde eine Lücke im Venezianischen Recht nutzen konnte, um die Tötung zu stoppen; allerdings als männlicher Strafverteidiger verkleidet und so, dass weder Bassanio noch Antonio sie erkannt hat; sie, die mittlerweile Bassanios Ehefrau geworden war. Allein wie konkret, das verrat' ich wirklich nicht, und ganz bestimmt auch nicht die Moral von dieser – neuen - Geschicht'...

Es bleibt mir noch eines zu sagen – zum Hier und Jetzt: Ihr habt es geschafft! Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur 2013!

Genießt diesen Tag in vollen Zügen. Ihr habt es verdient!

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen alles Erdenklich Gute und für Eure Zukunft Gottes Segen. Hier werdet hier schmerzlich fehlen. Aber vergießt keine Träne darüber: Das muss so sein; genau so.

Michael Kwasniok